Weihnachten ist für die meisten Menschen die Zeit, in der sie sich noch mehr als sonst auf ihre Familie besinnen und in der aus dem Augenwinkel verlorene Werte wieder ins Bewusstsein rücken. Für viele gehört auch der Weg in die Kirche ganz selbstverständlich dazu – oder wird wieder neu entdeckt. Eine der schönsten Bauwerke Oldenburgs ist die 405 Jahre alte Dreifaltigkeitskirche in Osternburg.
EINE EIGENE KIRCHE FÜR OSTERNBURG
1616 wurde die von Graf Anton Günther gestiftete Kirche nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht. Warum die Kirche einst entstand? Die bekannteste Überlieferung besagt, dass der Graf sich während der Gottesdienste in St. Lamberti gestört fühlte durch „das Geklapper der Holzschuhe, mit denen die Osternburger, lauter kleine Handwerker und Torfbauern, zum Gottesdienst kamen“. Um diesen Lärm nicht mehr vernehmen zu müssen, sollen die Osternburger ihre eigene Kirche erhalten haben. „Die Dreifaltigkeitskirche ist wie andere Oldenburger Kirchen eine alte Kirche, sie hat aber keine katholische Vergangenheit. Sie ist der erste evangelische Kirchenbau im ganzen Oldenburger Land“, weiß Pastorin Anne Jaborg.
PRUNKVOLL UND SCHLICHT ZUGLEICH
Insbesondere der Altarraum mit seinem Aufsatz, dem Retabel, ist aufwendig gestaltet. Bemalt wurde er von Johann Kirchring dem Jüngeren, der als Vorlagen für seine Malerei die damals weit verbreiteten Kupferstiche aus dem katholischen Flandern nutzte. Drei große Bilder stehen im Mittelpunkt, die die Kernaussagen des christlichen Glaubens darstellen: die Kreuzigung, die Auferstehung und den Heiland der Welt. Daneben finden sich vier kleinere Bilder: die Ankündigung der Geburt Christi, Jesu Geburt, Jesus wird getauft und die Verklärung Jesu. Das Abendmahlsbild direkt über dem Altartisch zeigt Jesus am Vorabend seiner Kreuzigung mit seinen zwölf Jüngern. Den Chorraum schmücken das aus Sandstein gefertigte Taufbecken in Gestalt eines Kelches und der aus Sandstein gestaltete Kanzelkorb.
Möglicherweise hat die Gräfin Sophia Catharina auf die Innengestaltung Einfluss genommen. So lag die eigentlich schlichte Dorfkirche auf ihrem Weg vom Schloss zum „Lustgarten auf der Wunderburg“, den Graf Anton Günther für sie ausbauen ließ. Das Herrscherpaar heiratete 1635 heiratete das Herrscherpaar, woraufhin die Kirche ihre reiche künstlerische Ausstattung erhielt – und ihren „höfischen“ Charakter. Ebenfalls um diese Zeit wurden die Emporen erbaut. Sie bieten heute etwa hundert Personen Platz. Übrigens gab es bis ins 19. Jahrhundert eine strenge Sitzordnung: Die Männer saßen auf der Empore, der so genannten Priechel, die Frauen saßen unten.
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