Positive Impulse setzen in einer Zeit, die von einem starken Wandel geprägt ist, das ist sicher gar nicht so einfach. Auch in der Oldenburger Innenstadt gibt es deshalb viele Baustellen. Welches sind die größten? 

Bundesweit befinden sich die Innenstädte im Wandel, der auch vor Oldenburg nicht Halt macht. Seit Jahren verändert sich das Erscheinungsbild der City und die Auswirkungen globaler Krisen haben diese Entwicklung jüngst beschleunigt. Aber auch gesellschaftliche Trends wie der demografische Wandel, neues Mobilitätsverhalten und die Digitalisierung stellen die Innenstädte vor große Herausforderungen. In der Konsequenz ist die Liste der Handlungsfelder vielfältig und lang. Leerstand und Frequenzrückgang sind zwei wesentliche und sehr konkrete Stellschrauben, an denen das Innenstadtmanagement zusammen mit den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren dreht. Strategisch betrachtet geht es zudem um eine positive Begleitung des Transformationsprozesses, was etwa die Unterstützung bei der Umsetzung neuer Nutzungskonzepte beinhaltet.

Mann vor einer Karte der Oldenburger Innenstadt

Wie muss man sich Ihre Herangehensweise vorstellen? Wer sind Ihre Ansprechpartner, welche Netzwerke haben sich für diese völlig neue Aufgabe gebildet?

In den ersten Wochen als Innenstadtmanager wurde meine Funktion immer wieder als „Kümmerer“ bezeichnet, was den Kern meiner Tätigkeit ziemlich treffend wiedergibt. Große und kleine Themen, Fragen und Anregungen erreichen mich und wollen an den richtigen Stellen platziert werden. Ich höre zu und suche gemeinsam mit den Beteiligten nach Lösungen. Für detaillierte Ausführungen zum Baurecht oder umfassende Erläuterungen zu Lärmschutzvorgaben haben wir in der Stadtverwaltung Expertinnen und Experten. Meine Aufgabe besteht unter anderem darin, diese Personen mit denen, die danach fragen, zusammenzubringen. Innerhalb und außerhalb der Verwaltung konnte ich mir dafür wertvolle Netzwerk aufbauen. So haben wir beispielsweise eine interne Abstimmungsrunde zu Veranstaltungen in der Innenstadt initiiert und einen mit Stakeholdern und Multiplikatoren besetzten Beirat als Echoraum für unser Handeln ins Leben gerufen. Darüber hinaus sind auch völlig neue Impulse für die City wichtig, daher pflege ich einen guten Austausch zu anderen Innenstadtmanagerinnen und Innenstadtmanagern, zu in ganz Deutschland aktiven Maklerinnen und Maklern sowie Immobilienkreisen und verfolge bundesweite Entwicklungen und Trends, um sie hier ins Gespräch zu bringen.

Was hat sich in den vergangenen zwei Jahren Ihrer Amtszeit getan? 

Zunächst einmal ist es uns gelungen, das Innenstadtmanagement als zentralen Ansprechpartner für die Akteurinnen und Akteure der Innenstadt zu etablieren. Diese Schnittstellenfunktion ist sehr wertvoll und erleichtert an vielen Stellen die Kommunikation zwischen City und Verwaltung. Es konnten Impulse aufgenommen und in Prozesse eingebracht werden. Über die neu entstandene Vernetzung lassen sich die verschiedenen Player themenbezogen schneller erreichen und mit einbeziehen. Das ist etwa bei der erfolgreichen Bekämpfung von Leerständen ein wichtiger Faktor. Die Positionierung des Innenstadtmanagements ist ein dynamischer und fortlaufender Prozess, an dem wir auch weiterhin arbeiten. Ein weiterer Erfolg ist das Einwerben hoher Fördersummen aus Landes- und Bundesmitteln, die in den nächsten fünf Jahren in die Weiterentwicklung der Innenstadt fließen werden. Aus den insgesamt fast 13 Millionen Euro Budget, das auch einen erheblichen städtischen Eigenanteil umfasst, soll eine große Bandbreite an Maßnahmen finanziert werden - von Veranstaltungsformaten über Kinderspielmöglichkeiten bis hin zu Infrastrukturprojekten. Erste Vorhaben wurden bereits umgesetzt und weitere Ergebnisse werden in Kürze sichtbar sein. 

Ein Auftrag wie der Ihre ist sicher auch mit gewissen Visionen verbunden. Welche haben Sie?

Die Ende 2020 auf den Weg gebrachte und Anfang 2022 überarbeitete Innenstadtstrategie gibt die grundsätzliche Ausrichtung und den inhaltlichen Rahmen meiner Arbeit vor. Ausgehend von den darin formulierten Schwerpunkten zeichnet sich mir ein bestimmtes Bild der zukünftigen Oldenburger Innenstadt. Ich sehe das Stadtzentrum künftig noch mehr denn je als multifunktionalen Ort der Begegnung und des Erlebens. Das Zusammenspiel von Wohnen, Konsum, Arbeiten und Freizeit verschmilzt in einem urbanen Raum mit grünen Satelliten zur Unterbrechung der steinernen Innenstadt. Das große Potenzial bisher weniger genutzter Obergeschosse und Dachflächen wird als Bereicherung der verdichteten Erdgeschosslage erschlossen und verleiht der Aufenthaltsqualität eine vertikale Dimension. Verschiedene Mobilitätsformen sowie die entsprechende Infrastruktur gewährleisten eine unkomplizierte und barrierefreie Erreichbarkeit der Innenstadt und lösen logistische Herausforderungen. Begleitet wird die Entwicklung von neuen digitalen Angeboten, die nicht in Konkurrenz zum Angebot der Innenstadt stehen, sondern dieses sinnvoll ergänzen.

Was macht die Oldenburger City auch für das Umland so attraktiv?

Die Oldenburger Innenstadt konnte schon immer mit ihrem starken inhabergeführten Einzelhandel und einer abwechslungsreichen Gastronomie in Verbindung mit kulturellen Angeboten punkten. Besucherinnen und Besucher erleben großstädtisches Flair verbunden mit Liebenswürdigkeit und Gemütlichkeit. Als eine der größten Fußgängerzonen Deutschlands ist die City ein abwechslungsreicher Rückzugsort und ist ein geschützter Raum für Kinder. Die stadtbildprägenden historischen Bauten und kleinen versteckten Gassen verleihen der Innenstadt einen ganz besonderen Charme, der über die Stadtgrenzen hinaus wirkt.

Insbesondere zur Weihnachtszeit lohnt sich der Bummel durch die City für Menschen jeden Alters. Warum ist das Angebot auch für Familien so interessant?

Gerade in der Weihnachtszeit versprüht die Oldenburger Innenstadt einen besonderen Glanz. Die liebevoll gestalteten Schaufenster und ansprechende Weihnachtsbeleuchtung, bunte Aktionen für Groß und Klein, stimmungsvolle Musik und der Geruch von gebrannten Mandeln auf dem Lamberti-Markt oder dem neu initiierten „Weihnachtszauber“ auf dem Waffenplatz, das Glücksgefühl endlich alle Geschenke in den Einkaufstüten zu haben, um darauf mit einem heißen Kakao anzustoßen – solche Erlebnisse sind es, die wir mit unseren Liebsten in der besinnlichen Jahreszeit teilen möchten und die uns ein Besuch im Herzen Oldenburgs bietet, ohne dafür auch nur einen Mausklick zu benötigen.